COVID-19: Morbide Adipositas erhöht Sterberisiko bei „jüngeren“ Männern

23.08.2020 10:39

Pasadena/Kalifornien – Eine morbide Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 40 kg/m2 erhöht auch bei ansonsten körperlich gesunden jüngeren Männern das Risiko, nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu sterben. Dies zeigt die Analyse eines kalifornischen Krankenversicherers in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/M20-3742).

Die USA gehören zu den Ländern mit dem höchsten Anteil von fettleibigen Menschen in der Bevölkerung. Nach den offiziellen Statistiken haben 42 % der Erwachsenen einen BMI von über 30 kg/m2, der die Grenze zur Adipositas markiert.

Unter den 6.916 COVID-19-Patienten von Kaiser Permanente Southern California, dem größten Krankenver­sicherer der Region, war sogar jeder zweite adipös. Fast jeder zehnte hatte mit einem BMI von 40 kg/m2 oder höher sogar eine morbide Adipositas, die als ein akutes Gesundheitsrisiko eingestuft wird.

Bei einer morbiden Adipositas kommt es infolge der Fettmassen auf dem Brustkorb zu einer Behinderung der Atmung, die unter anderem die Entwicklung von Pneumonien begünstigt. Hinzu kommen in der Regel eine Verfettung der inneren Organe, darunter auch des Herzmuskels, die die Abwehrkräfte im Fall einer Erkrankung weiter herabsetzt.

Das Fettgewebe im Bauchbereich ist zudem biologisch aktiv. Es kommt zur vermehrten Ausschüttung von Hormonen, die mit für die Gesundheitsstörungen verantwortlich gemacht werden, die bei adipösen Menschen häufiger auftreten als bei anderen Menschen.

Die an COVID-19 erkrankten Versicherten von Kaiser-Permanente litten denn auch häufiger unter Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck (24 %), Hyperlipidämie (23 %), Diabetes (20 %) und Asthma (18 %), die (bis auf das Asthma) einen schweren Verlauf von COVID-19 begünstigen.

Diese Begleiterkrankungen erklären jedoch nicht das erhöhte Sterberisiko der extrem adipösen Patienten, das Sara Tartof und Mitarbeiter von Kaiser Permanente in Pasadena ermittelt haben.

Auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren hatten Versicherte mit einem BMI von 40 bis 44 kg/m2 ein fast 3-fach erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu sterben, als normalgewichtige Mitglieder (Risk Ratio 2,68; 95-%-Konfidenzintervall: 1,43 bis 5,04). Bei einem BMI von 45 kg/m2 oder mehr stieg die Risk Ratio auf 4,18 (2,12 bis 8,26).

Die morbide Adipositas war neben im höheren Alter (Risk Ratio bis 43,21 in der Gruppe der über 80-Jährigen) und einer Organtransplantation (Risk Ratio 6,54) der wichtigste Risikofaktor.

Interessanterweise war das erhöhte Sterberisiko an COVID-19 durch die morbide Adipo­sitas auf „jüngere“ Männer beschränkt. In der Altersgruppe unter 60 Jahre war ein BMI von 40 bis 44 kg/m2 mit einer Risk Ratio von 17,14 (3,37 bis 87,27) assoziiert. Bei einem BMI von über 45 betrug die Risk Ratio 12,35 (2,28 bis 66,77).

Für die Gesamtgruppe der Männer ermittelt Tartof eine Risk Ratio von 4,81 (2,15 bis 10,78) bei einem BMI von 40 bis 44 kg/m2 und von 10,04 (4,01 bis 25,09) bei einem BMI von 45 kg/m2 oder darüber.

Die weiten 95-%-Konfidenzintervalle zeigen, dass die Analyse an ihre Grenzen stößt. Warum Frauen und ältere Männer unabhängig von anderen Risikofaktoren kein erhöhtes Sterberisiko haben, bleibt unklar.

Referance: https://www.aerzteblatt.de/

Der richtigen Behandlung einen Schritt näher, indem die Tests gelöst werden

Brauche ich eine Schlauchmagen Operation?

Gehe zum Test