Tag 1 bis 5 sind entscheidend: Wann Corona-Infizierte am ansteckendsten sind

13.01.2021 01:09

Ein schottisches Forscherteam hat 79 Studien zu Sars-CoV-2 ausgewertet, um herauszufinden, wann Infizierte am ansteckendsten sind. Auf Basis ihrer Ergebnisse schlagen sie eine verkürzte Isolationsdauer vor – damit sich mehr Menschen an die Regeln halten.

Seit dem 1. Dezember gelten härtere Corona-Maßnahmen in Deutschland - dazu zählen auch strengere Kontaktbeschränkungen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Wer positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, muss sich häuslich isolieren, bis das zuständige Gesundheitsamt die Maßnahme aufhebt. Personen, die ab dem zweiten Tag vor Auftreten der ersten Symptome bis mindestens 10 Tage nach Symptombeginn Kontakt mit dem Infizierten hatten, müssen sich in Quarantäne begeben.

Doch wann genau geht die größte Ansteckungsgefahr von dem Erkrankten aus? Das wollte ein Forscherteam um die Infektiologin und Virologin Muge Cevik von der University of St. Andrew in Schottland herausfinden. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass Infizierte womöglich kürzer als bisher zu Hause bleiben müssen – und die Verbreitung des Virus trotzdem verhindert werden könnte.

Bisher galt: Bis zu zehn Tage nach Symptomausbruch infektiös

Der genaue Zeitraum, in dem Ansteckungsfähigkeit („Kontagiosität“) besteht, war bisher nach Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) noch nicht klar definiert; die Angaben hierzu variierten. Als sicher galt aber, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Übertragungen bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt.

„Zudem ist gesichert, dass die Kontagiosität im Laufe der Erkrankung abnimmt, und dass schwer erkrankte Patienten mitunter länger infektiöses Virus ausscheiden als Patienten mit leichter bis moderater Erkrankung“, berichtet das RKI. 

Nach derzeitigem Kenntnisstand gehe bei leichter bis moderater Erkrankung die Kontagiosität zehn Tage nach Symptombeginn deutlich zurück; bei schweren Erkrankungen könnten Patienten aber auch noch erheblich länger als zehn Tage nach Symptombeginn ansteckend sein.

Forscher berichten von kürzerer Ansteckungsgefahr

In ihrer systematischen Übersicht und Meta-Analyse kam das schottische Forscherteam um Cevik jetzt zu anderen Ergebnissen, die sie in dem renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht haben.

So wiesen Covid-19-Patienten bis zu zwei Tage vor Ausbruch ihrer Symptome und bis zu fünf Tage danach die höchste Viruslast in den oberen Atemwegen auf – dann sei die Ansteckungsgefahr am größten. Dabei komme es auch nicht auf die Schwere der Symptome an, betont Cevik. „Wer Krankheitsanzeichen bei sich bemerkt, egal wie mild sie auch sein mögen, sollte sich sofort selbst isolieren. Denn bis wir das Testergebnis bekommen, könnten sie schon über ihre infektiöseste Phase hinaus sein.“ Je früher sich Betroffene isolierten, desto besser.

Asymptomatische Infizierte scheinen außerdem etwa die gleiche Virenmenge in sich zu tragen wie Patienten mit Symptomen. Bei ihnen verschwinde das Virus aber offenbar schneller wieder aus dem Körper, erklärt die Forscherin.

Ab Tag 9 kein lebendes Virus mehr nachgewiesen

Neben den Studien zu Sars-CoV-2 haben die Wissenschaftler auch acht Untersuchungen zu Sars-CoV-1 und elf zu Mers-CoV ausgewertet. Im Vergleich zu Sars-CoV-2 vermehren sich das erste Sars-Virus und Mers-CoV nur langsam in den oberen Atem­wegen – bei Sars-CoV-1 ist die Virusausscheidung über die oberen Atemwege nach 12 bis 14 Tagen der Infektion am höchsten, bei Mers-CoV-Patienten nach 7 bis 10 Tagen. Eine Übertragung durch asymptomatische oder präsymptomatische Personen erfolgt praktisch nicht.

Das Team um Cevik kam außerdem zu dem Ergebnis, dass bei einer Sars-CoV-2-Infektion ab Tag 9 nicht mehr genügend lebensfähige Viren mehr in den oberen Atemwegen nachweisbar seien, die eine Infektion verursachen könnten: „In keiner Studie wurde trotz anhaltend hoher Viruslast ein lebendes Virus nach dem 9. Krankheitstag nachgewiesen“. Indes seien die Virusgene noch über längere Zeit in den oberen und unteren Atemwegen, im Blut und im Stuhl vorhanden gewesen. Doch auch hier bestehe keine Ansteckungsgefahr, konstatierte Cevik.

Diese Aussage sei jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, warnte das „Ärzteblatt“. Denn die Abstriche wiesen mit der Polymerase-Kettenreaktion nur einzelne Virusgene nach – sie müssten nicht von replikationsfähigen Viren stammen. Es könnte sich demnach auch um Reste einer bereits überstandenen Infektion handeln. Ganz ausschließen ließe sich eine Infektiosität damit nicht.

Studienleiterin schlägt verkürzte Isolationsdauer vor

Die mittlere Dauer eines positiven Abstrichs lag nach den ausgewerteten Studien in den oberen Atemwegen bei 17,0 Tagen, in den unteren Atemwegen bei 14,6 Tagen, in den Stuhlproben bei 17,2 Tagen und in den Serumproben bei 16,6 Tagen. Die längste nach­gewiesene Ausscheidungsdauer betrug in den oberen Atemwegen 83 Tage, in den unteren Atemwegen 59 Tage, im Stuhl 126 Tage und im Serum 60 Tage.

Basierend auf ihren Ergebnissen schlug Cevik vor, den Isolationszeitraum auf fünf Tage zu verkürzen. Dies könne, so ihre Hoffnung, mehr Infizierte dazu bringen, sich auch wirklich an die Isolation zu halten, sagte sie gegenüber der New York Times. Hintergrund ihrer Argumentation dürfte eine Umfrage aus dem August sein, wonach nur 20 Prozent der Befragten in Großbritannien tatsächlich die Regeln zur Selbstisolation befolgen.

Wegen der „derzeit begrenzten Testkapazitäten und der Häufigkeit von Erkältungskrankheiten in den Wintermonaten“, durch die es nicht möglich sei, alle Covid-19 Erkrankungen in Deutschland durch Tests zu bestätigen, rät auch das RKI dazu, „sich bei jeglicher respiratorischer Symptomatik für mindestens 5 Tage häuslich zu isolieren und erst nach weiteren 48 Stunden ohne Symptome die Isolierung zu beenden.“ 

Referance: https://www.focus.de/

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